Warum ist ein Sieg bei der Flandern-Rundfahrt für die Belgier gleichbedeutend mit ewigem Ruhm?

Die Flandern-Rundfahrt ist seit ihrer Gründung im Jahr 1913 das wichtigste Rennen der Saison in Belgien.

Selbstverständlich ist die reputationsprägende Herausforderung dieses Rennens mit dem Renommee von Lüttich–Bastogne–Lüttich vergleichbar, das den Beinamen „La Doyenne“ trägt – allerdings findet dieses in Wallonien statt.

Das Fahrrad ist in Belgien aufgrund der geringen Landesfläche und der hohen urbanen Dichte ein sehr beliebtes Verkehrsmittel. Im Gegensatz zu Frankreich, das seine Straßen insbesondere nach den beiden Weltkriegen modernisierte, besteht das belgische Netz im Wesentlichen weiterhin aus „schmalen, gepflasterten Straßen“.

Die Flandern-Rundfahrt ist als strategisches und nervenaufreibendes Rennen bekannt. Es sind 260 km kurviger und hügeliger Straßen, Kopfsteinpflastersektoren und rund zwanzig „Berge“, die es zu bewältigen gilt.

Die Favoriten haben zahlreiche Gelegenheiten, ihre entscheidenden Attacken zu planen – aber auch die Außenseiter, die mitunter nach Anerkennung suchen.

Der taktische Teil des Rennens beginnt in der hügeligen Region der Flämischen Ardennen, wo Teams und Fahrer oft auf unvorhersehbare Entwicklungen des Rennens reagieren müssen, gepaart mit einem mitunter rauen Wetter.

Die steile Beschaffenheit der gepflasterten Anstiege begünstigt Fahrer mit einem Angreiferstil, was die Flandern-Rundfahrt zu einem attraktiven Rennen für Publikum und Einschaltquoten macht.

Die Positionierung ist sehr wichtig, und die vordersten Plätze im Peloton sind stets hart umkämpft – insbesondere in der Annäherung an die Anstiege, wo die Straßen schmaler werden.

Vor einem Anstieg 15 Plätze „zurückzufallen“ bedeutet im Nachhinein oft – im besten Fall – einen erheblichen Kraftaufwand, um wieder nach vorn zu kommen, und – im schlimmsten Fall – eine fatale „Chasse-Patate“-Verfolgungsfahrt.

Nach dem beendeten Anstieg geht es auf breitere Straßen, die dem Wind und den Bordüreneffekten ausgesetzt sind, bis zum nächsten Anstieg….

Die Wiederholung der Anstrengungen zermürbt die Körper, und der Zieleinlauf wird oft in einer kleinen Gruppe entschieden.

Die Dramatik des Renngeschehens bei bestimmten Anstiegen trägt zum außergewöhnlichen Ruf des Rennens bei: Kopenberg, Paterberg, Muur van Geraardsbergen und der Oude Kwaremont….

Diese Straßen und diese „Berge“ zu kennen, ist ein sehr wertvoller, ja entscheidender Vorteil. Deshalb fühlen sich die lokalen Fahrer – oft gewissermaßen auf dem Rad im Herzen dieser Straßen geboren – bei der Flandern-Rundfahrt beflügelt. Sie sind zu Hause und wollen vor Familie und Freunden glänzen.

Die Flandern-Rundfahrt zu gewinnen, ist die Garantie für ewigen Ruhm – die höchste Belohnung für all die Anstrengungen, die seit der Kindheit und der Radsportschule erbracht wurden.